Heer Fenns schaut fern!

Nichts ist ihm heilig – nur die eigene tägliche oder nächtliche Beobachtung der deutschen Fernsehprogramme.
Heer Fenns schaut alles, ob Talk, Show, Sport, Nachrichten, Magazin, Spielfilm oder Serie.

Heer Fenns ist programmlich bewandert und fachkundig.
Er kennt sich aus in Fakt und Fiktion, er möchte informiert und unterhalten werden, er liebt die Überraschung und verabscheut die Wiederholung.
Seinem ungefilterten Urteil entgeht nichts, kleine Details regen ihn besonders auf: eine nicht gestellte Frage, eine vergebene Chance, ein schlechtes Drehbuch, eine enttäuschte Erwartung, eine schludrige Regie, ein sinnentleertes Interview.

Grundsätzlich mag Heer Fenns alles. Hauptsache es flimmert. Nur wenigen Sendungen gegenüber empfindet er einen Grundekel: Reality-Doku-Gerichts-Nachbarschafts-Soaps sind ihm ebenso ein Gräuel wie Formate, die billig und simpel aufbereitet wurden und in erster Linie darauf abzielen, Menschen ins Lächerliche zu ziehen. Trotzdem schaut Heer Fenns auch diese Sendungen.

Dann aber regt er sich besonders auf und nimmt kein Blatt vor den Mund.
Da wird aus dem spöttischen Beobachter ein wütender Allgemeinkritiker.
Der im Grunde zu feiner Ironie, wohlwollender Häme und gelegentlich auch erkennbarer Schadenfreude neigende ambitionierte Fremdschämer wechselt zu zorniger Boshaftigkeit, ätzt und schlägt mit denselben Mitteln zurück. Keine Gnade mit den Gnadenlosen!

Heer Fenns hat viel Zeit zum Fernsehen. Als alleinstehender Herr mit gering belastenden beruflichen Heimarbeiterpflichten frönt er seinem Hobby in aller Ausgiebigkeit und Leidenschaft. Morgens, mittags, abends, nachts.


Heer Fenns ist dabei aber keineswegs einsam! Schließlich hat er rund um die Uhr seine guten Bekannten aus dem Fernsehprogramm zu Hause. Doch wenn ihm der Kragen platzt, muss Heer Fenns der Menschheit seine Erkenntnisse mitteilen.

Dann wird Heer Fenns zur Stimme des Volkes!